Standespolitik für Freiheitskämpfer – 3. Teil

Die meisten Fragen, die unserer Redaktion gestellt wurden, zielten auf das ambivalente Verhältnis zwischen den „Freien Zahntechnikern“ (FVZL) und den Innungen bzw. deren Bundesverband VDZI ab. Wir werden deshalb in diesem letzten Teil darauf antworten. Kurz und bündig, anschließend möchten wir uns wieder der Zukunft zuwenden.

Anno 1981
Kurz nach seiner Verbandsgründung veröffentlichte der FVZL sein 11­ Punkte­-Aktionsprogramm, das u.a. zur Geschlossenheit des Zahntechniker­handwerks aufrief, von den Labor­inhabern die Mitgliedschaft in den Innungen und von den Innungen die Mitgliedschaft im VDZI forderte.
Die Reaktion des VDZI? In seinem Zentralorgan „Teleskop“ beschimpfte er den FVZL als Spaltpilz und brüllende Maus.

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Anno 1983
Der FVZL rief das Cuxhavener „Nordsee-­Seminar“ (externer Link) ins Leben und bot der Niedersächsischen Zahntechnikerinnung die Kooperation an. Die Innung lehnte ab und inszenierte eine Konkur­renzveranstaltung in der Nachbarstadt Stade.
Das Ergebnis? Die Innungsveran­staltung wurde ein totaler Flop und fand nur einmal statt. Das „Nordsee­-Seminar“ des FVZL wurde in Zusam­menarbeit mit der Niedersächsischen Zahnärztekammer zu einer 20 ­Jahre dauernden Erfolgsgeschichte auf höchstem Niveau. (Siehe „Der Sturm­vogel“ Nr. 3: Fortbildung)

Anno 1998
Der FVZL hatte inzwischen die politi­sche Führung des Zahntechnikerhand­werks übernommen und überzeugte den Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer von der Notwendigkeit eines freien Wettbewerbs. (Siehe „Der Sturm­vogel“ Nr. 4: Politische Parteien)

Anno 2004
Nachdem die Verelendung des Zahn­technikerhandwerks durch das Treiben einer Rot/Grünen Bundesregierung seinen verhängnisvollen Verlauf ge­nommen  hatte,  erhielten  die  Zahn­techniker  sechs  Jahre  später  durch die  nachfolgende  große  Koalition eine erneute Chance. Zu der Anhö­rung zwecks Beratung eines neuen Gesundheitsreformgesetzes war auf Empfehlung der CDU/CSU­-Fraktion auch der FVZL-­Bundesvorsitzende eingeladen.
Die Reaktion des VDZI? Unter Hin­weis  auf  die  ihm  vom  Gesetzgeber verordnete  alleinige Verhandlungs­kompetenz  erreichte der VDZI, dass der FVZL wieder ausgeladen wurde. Das  Ergebnis  dieser  Anhörung  ent­nehmen wir im Original der Schilderung eines teilnehmenden VDZI­-Vorstands­mitgliedes:
„Das focht den VDZI allerdings nicht an, in einer von ihm Ende 2004 initiierten Anhörung der verantwortlichen auf­ sichtsführenden Ministerialbürokratie die Mängel des vom GBA geschaffe­nen Festzuschuss­-Systems in einer solchen Deutlichkeit aufzuzeigen, dass die Delegation des VDZI als destruktive Truppe des Saales verwiesen wurde.“

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Anno 2008
Die Schriften des FVZL, vorzugsweise aus der Feder ihres Bundesvorsitzen­ den (Siehe „Der Sturmvogel“ Nr. 4: Pressearbeit), hatten inzwischen addiert eine Millionenauflage erreicht. Die „Freien Zahntechniker“ konnten sich sogar auf die Erkenntnisse des früheren  VDZI­-Präsidenten  ZTM. Klaus Kanter berufen, der posthum eingestanden hatte: „Verantwortung anderen zu überlassen, ist ein erster Schritt in die Unfreiheit.“
Wie jedoch reagierte der Nachfolge Vorstand des VDZI auf die Forde­rung der „Freien Zahntechniker“ nach Freiheit, Gerechtigkeit und Eigenver­antwortung, konkreter gesagt, nach: Raus aus dem Sozialgesetzbuch V?
Originalton des bereits zitierten VDZI­-Vorstandsmitgliedes: „Wenn Trompeter Stolle mit der FVZL-Panikband den Untergangs­-Blues spielt und zum Aus­tritt aus den Zahntechniker-­Innungen auffordert,  ist das nichts Neues und nur durch Wiederholung wird der Song auch nicht besser.“

Anno 2012
Der FVZL hatte inzwischen die Er­wartung aufgegeben, mit seinem Kontrahenten doch noch zu einem konstruktiven Dialog zu kommen.
„Nicht satisfaktionsfähig“, lautete das Urteil über den VDZI. Ausdrücklich bestätigt fühlten sich die „Freien Zahntechniker“ durch zwei Drittel aller Dental­-Laboratorien. Diese waren ent­weder ganz aus ihrer Innung ausgetre­ten oder gehörten einer Innung an, die wiederum kein Mitglied im VDZI war. Aktuelles Beispiel: Innung Thüringen. Als sich nun auch noch 97 Prozent aller Kollegen dem von dem VDZI kreierten Bürokratiemonster „Q_AMZ“ verweigerte, flippte unser hinlänglich bekannter KvD (Kritiker vom Dienst) völlig aus und verkündete in seinem Zentralorgan „Teleskop“ als Fazit eines ausschweifenden Pamphlets: „Der FVZL und sein Bundesvorsitzender sind wegen seines außerordentlichen Benehmens eine quantité négligeable, eine Null – und werden allerorts lieber von hinten als von vorne gesehen.“

Anno 2014
Inzwischen sind es ein paar tausend „Nullen“, die nicht mehr Mitglied ihrer Innung sind. Dadurch schrumpfen auch die Einnahmen des VDZI. Dieser spricht von Entsolidarisierung und ändert seine Satzung. Danach dürfen jetzt auch Einzelbetriebe Mitglied im Bundesverband werden. Geschichtskundigen Lesern ist dieser Vorgang aus der Zeit des Römischen Reiches bekannt, dessen Devise lautete: Pecunia non olet.

Illustrationen von A. Albrand