Rede von Prof. Dr. Reinhard Marxkors zum 25-jährigen Verbandsjubiläums

Prof. Dr. Reinhard MarxkorsProf. Dr. Reinhard Marxkors

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Der ehemalige Direktor der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, Prof. Dr. med. dent. Reinhard Marxkors, Ehrenmitglied des FVZL, hat anlässlich des 25-jährigen Verbandsjubiläums in Hannover eine Laudatio gehalten auf die FVZL-Mitglieder und den Verbandsgründer, ZTM. Herbert Stolle aus Cuxhaven.

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Verehrte Festversammlung, sehr geehrter Herr Minister und stellvertretender Minister­präsident, sehr geehrte Frau Staatssekretärin, sehr geehrter, lieber Herr Stolle!

Man möge mir nachsehen, wenn ich mit einer kleinen Laudatio auf den Gründer des FVZL beginne, denn ein Verband entsteht nicht von selbst, es bedarf eines Initiators.
An den Anfang möchte ich ein Zitat des einstigen Bundesministers für Wis­senschaft und Forschung Dr. Riesenhuber stellen, das da lautet: „Der Staat erbringt schon eine beachtliche Leistung, wenn er die Bürger bei der Arbeit nicht stört.“ Diese These impliziert, dass vom Staat durchaus Stö­rungen ausgehen können, die den Bürger bei der Arbeit behindern. Stolle nennt sie mit Namen: staatliche Reglementierung, Planwirtschaft, Bevor­mundung. Auf der einen Seite wird Unternehmertum und freie Marktwirt­schaft gefordert und auf der anderen Seite werden gleichzeitig die Fallstrik-ke gespannt. Diese Widersprüchlichkeit lässt Stolle nicht dumpf und klag­los über sich ergehen, er kämpft.
Was veranlasst Stolle, soviel Energie und Zeit und soviel akribische Detail­arbeit in die Berufspolitik zu investieren? Er tut das für seinen Berufsstand.
Gewiss, er hat die Gabe des analytischen Denkens und der Formulierungskunst. Er beherrscht die entspre­chenden Stilarten der Sprache: geschmeidig elegant, satirisch pointiert, wie sachlich präzise und scharf. Aber das alles reicht noch nicht aus. Es bedarf einer eisernen Disziplin und Konzentration und der Fähigkeit, sich durch Rückschläge nicht entmutigen zu lassen. Er verfügt über eine hohe Ambiguitätstoleranz, ist imstan­de, mit Problemen zu leben, an der Lösung von Problemen zu arbeiten. Kritik stellt für ihn eine Herausfor­derung dar. Für einen Zahntechniker darf man einen Vergleich aus der Metallkunde heranziehen. Die Eigenschaften bestimmter Legierungen können durch Tempern verbessert werden. Stolle hat die Fähigkeit, durch Beanspruchung und Stress vergütet zu werden. Er schreibt keine Romane, er verfasst Manifeste. Er lässt sich aber auch von Erfolgen nicht blenden. Seine Vorgehensweise ist stets durchdacht. Rehagel nann­te das im Fussball: „Offensive mit kontrolliertem Risiko.“
Er denkt auch über den fachlichen Horizont hinaus. Er mischt sich politisch ein. Er hält sich an die These William Gordons: „Wer nur seinen Bereich kennt, der kennt auch diesen nicht.“
Als „Freiheitskämpfer“ suchte Stolle Mitstreiter. Er gründete den „Freien Verband Zahntechnischer Labo­ratorien“, der heute sein 25-jähriges Verbandsjubiläum feiert. Natürlich ist Stolle allein kein Verband. Was ich über ihn gesagt habe, gilt für alle Mitglieder. Sie kommen aus allen Bundesländern und dokumentieren dadurch, dass sie gleichen Sinnes sind. Sie dokumentieren dadurch, dass ein Berufsstand seine Identität braucht. Sie kämpfen dadurch gegen die Aushöhlung des beruflichen Selbstverständnisses. Das ist ein durchaus legitimes Verhalten.
Man müsste es geradezu als ein Armutszeugnis ansehen, wollte ihr Stand nicht ausdrücken, was seine Motivation, sein Selbstwertgefühl und seine berufliche Befriedigung ausmacht, und was Schiller so unüber­troffen formuliert hat:
„Das ist’s ja, was den Menschen zieret, und dazu ward ihm der Verstand, dass er im tiefsten Herzen spüret, was es erschafft mit seiner Hand.“
Ich gratuliere dem Freien Verband Zahntechnischer Laboratorien zu seinem 25-jährigen Bestehen und wünsche ihm eine gute Zukunft.