Nicht nur eine Frage der Ehre (1)

FVZL - Illustration 3

Um es gleich zu Anfang unmissverständlich deutlich zu machen: Der überwiegende Teil deutscher Dental Labors arbeitet ehrlich und korrekt. Andererseits zwingt eine ungerechte, Existenz gefährdende Gesetzgebung viele Laborinhaber zu Geschäftspraktiken, die jenseits des Erlaubten liegen. Dadurch entwickelt sich ein unlauterer Wettbewerb, durch den die Ehrlichen benachteiligt werden.
Wir vom FVZL haben diesbezügliche Fragen gesammelt, fordern zur Diskussion auf und gehen auf die Suche nach Antworten.

Was wäre, wenn ….

…. ein Dentallabor seinen Kunden mehr als 3 % Skonto, z. B. 5 % oder 10 % auf die Monatssammelrechnung einräumt ?

…. ein Dentallabor die Höhe seiner Rabatte von der jeweiligen Höhe der Monats-Sammelrechnung abhängig macht ?

…. ein Dentallabor die Höhe seiner angebotenen Rabatte halbiert und diese Summe in bar und ohne Quittung an seine Kunden auszahlt ?

…. ein Dentallabor gar keine Monats-, sondern Quartalssammelrechnungen schreibt und darauf noch Barzahlungsrabatt einräumt ?

…. ein Dentallabor seinen Kunden einen Kredit in erheblicher Höhe und mit unbestimmter Laufzeit einräumt und darauf keine Zinsen berechnet, solange sich der Kunde vertraglich verpflichtet, sämtliche seiner ZE-Aufträge an dieses Labor zu vergeben ?

…. ein Dentallabor einen leerstehenden Raum innerhalb der Praxis seines Kunden anmietet und dafür eine Miete bezahlt, die in ihrer Höhe x Prozent des ZE-Umsatzes dieses Kunden entspricht ?

…. ein Dentallabor einem Kunden für ein eingereichtes Manuskript ein Honorar für „wissenschaftliche Beratung“ bezahlt, obwohl der Inhalt dieses Manuskriptes weder etwas mit Wissenschaft noch mit Beratung zu tun hat ?

…. ein Dentallabor seinem Kunden für jede Einheit (ob Krone oder Brückenglied) ein Gramm Gold in die „Spardose“ legt, mit dem Hinweis, dass der Kunde nach Aufgabe seiner Praxis dieses Gold zu Geld machen kann ?

…. ein Dentallabor sämtliche Kosten seines Kunden für dessen Abrechnungsgesellschaft übernimmt und ihm obendrein noch den Barzahlungsskonto einräumt ?

… ein Dentallabor die Kosten für die von ihm erstellte Arbeitsvorbereitung nicht in Rechnung stellt und den Kunden darauf hinweist, dass er diese Aufwendungen als Eigenleistung der Krankenkasse bzw. dem Patienten in Rechnung stellen könne. (Es ginge dabei vorwiegend um die Modellherstellung, Bissschablonen, individuelle Löffel und das Einartikulieren).
…. ein Dentallabor zum Zwecke der Neukundenwerbung die erste Kombiarbeit „umsonst“ anbietet, allerdings dem Auftraggeber eine Einzelrechnung zwecks Abrechnung mit der Krankenkasse ausstellt, diese dann aber in der Sammelrechnung „vergisst“.

…. ein Dentallabor sämtliche Reparaturen ohne Berechnung macht, unter der Bedingung, dass es dafür die restlichen Aufträge dieses Kunden erhält.

…. ein Dentallabor seinem Kunden und dessen Familienmitgliedern anbietet, dass diese ihre Privatfahrzeuge auf Rechnung des Labors voll tanken dürfen.

…. ein Dentallabor dem Inhaber eines Praxislabors anbietet, dass dieser sich die Materialkosten seines Praxislabors von dem Dental Depot auf die Rechnung des Dental Labors setzen lässt unter der Bedingung, dass sämtliche Arbeiten des Praxislabors, die „außer Haus“ vergeben werden, in das Dental Labor gehen.

…. ein Dentallabor der Helferin seines Kunden eine „Gebühr“ dafür bezahlt, dass sie für eine Weiterleitung des Auftrages in das gewünschte Labor sorgt.

…. ein Dentallabor die Hobbys seiner Kunden recherchiert und diese – je nach Umsatzhöhe – mit Golf bzw. Tennisschlägern, den Jahresbedarf an Bällen oder ähnlichem Zubehör beliefert.

…. der Dentallabor Inhaber verheiratet ist mit der Besitzerin einer Damen Oberbekleidungs Boutique und die Geschenkgutscheine seiner Frau an seine Kunden weitergibt. Das Defizit seiner Frau würde dann über eine Rechnung für „Unternehmensberatung“ ausgeglichen.

…. das Dentallabor, das denselben Materiallieferanten hat wie seine Kunden, die Rabatte an seine Kunden über das Depot abwickelt, das diese Beträge wiederum auf die Laborrechnung setzt.

…. ein Dentallabor bei seinen Kunden Bruchgoldreste aus den Mündern der Patienten einsammelt, damit über die Grenze fährt, das Gold zu Bargeld macht und unter Abzug seiner Provision als Schwarzgeld an seine Kunden zurück verteilt.

…. ein Dentallabor seine Keramikarbeiten als Halbfertigprodukte deklariert und seinem Zahnarztkunden die Empfehlung gibt, in seinem 1 m² großen Praxislabor einen alten Keramikofen aufzustellen, mit dem eine handwerklich begabte Helferin die Zahnfarbe individualisiert und damit eine Wertschöpfung um mehr als das Doppelte erreicht.