Gefährliche Dilettanten

ZTM Herbert Stolle

„Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Verstand.“ Dieser hoffnungsschwangere Spruch aus einer Zeit, als höchste Ämter noch im Namen Gottes verliehen wurden, gilt heute nur noch begrenzt.
Geblieben ist eine Art Fatalismus, der die Hoffnung nährt, dass unsere demokratisch legitimierten Staatsdiener und Volksvertreter über ausreichend Verstand verfügen, um im Sinne ihres Amtseides keinen größeren Schaden anzurichten – so wahr ihnen Gott helfe.

Bevor wir uns in der Unendlichkeit der Frage verirren, ob der liebe Gott angesichts des Elends dieser besten aller Welten nichts Wichtigeres zu tun hat, als unsere von Hause her dilettantischen Amtsinhaber zum Zwecke ihrer Aufgabenerfüllung mit dem dafür notwendigen Verstand auszustatten, sollten wir uns an die Klärung dieser Frage zeitsparender Weise mit Hilfe unseres eigenen Verstandes heranmachen.

Nichts anderes soll hier versucht werden, wohl wissend, dass jeder von uns, der sich mit Politik beschäftigt, aufgrund der zumeist spontanen Aufgabenstellung als Dilettant beginnt. Die Methoden der Eingewöhnung sind vielseitig, angefangen mit „learning by doing“, bis zu jenen höchst kritikanfälligen Versuchen, bei denen die Akteure alles, womit sie sich befassen, ausschließlich auf das Maß ihrer eigenen Vorstellungskraft reduzieren.

Aus naheliegenden Gründen und um dem Namen dieser Fachzeitschrift gerecht zu werden, fokussieren wir uns bei der Suche nach einer Existenz rettenden Lösung auf die Bedürfnisse des deutschen Zahntechnikerhandwerks.
Parteipolitisch wäre unsere Suche nach Freiheit, Gerechtigkeit und Eigenverantwortung voll inhaltlich abgedeckt worden durch das Grundsatzprogramm der FDP, die damit 2009 ein beachtliches Wahlergebnis und den Einstieg in die Regierungsverantwortung erreicht hatte.
Der erste FDP-Bundesgesundheitsminister, der nach der Bundestagswahl über das Schicksal der Zahntechniker in Deutschland zu entscheiden hatte, vergaß jedoch als Folge einer Amnesie-Attacke alles, war er seinen Wählern vor der Wahl versprochen hatte.
Und auch seinem Nachfolger im Amt fiel als Begründung für seine Ablehnung unternehmerischer Freiheit nichts ein, was den unaufhaltsamen Abstieg der FDP zu einer Splitterpartei hätte aufhalten können.
Damit wurde der Dilettantismus zum Dogma und die Inkompetenz durch Arroganz kompensiert. Früher galt die FDP als Partei der Besserverdienenden. Wer sie heute noch wählt, hat es nicht besser verdient.

Standespolitisch sind davon die offiziellen Vertreter unseres Zahntechnikerhandwerks meilenweit entfernt. Sie haben nie behauptet, kompetent zu sein. Sie übernahmen letztlich die Argumente ihrer Kritiker, jammern und klagen über die Verelendung und den Niedergang des deutschen Zahntechnikerhandwerks.
Nach einer dreißigjährigen Erfahrung mit Niederlagen wurden sie zu Meistern der Schuldzuweisung. Wir haben – freundlich und kollegial – zwanzig Obermeister befragt, ob sie für oder gegen die Einbindung in das Sozialgesetzbuch V seien. Keine Antwort. Wie sollten sie auch ?
Die durch die Einbindung in das SGB V verursachten Probleme wurden für sie zur Existenzgrundlage, oftmals ihre einzige noch funktionierende Einnahmequelle. Das muss man so lange wie möglich durchhalten. Ihr konservierter Dilettantismus ist keine Schande mehr, er wurde zur Einstellungsvoraussetzung und damit zur Gefahr für den gesamten Berufsstand. Wie wir auf diese Gefahr reagieren müssen, werden wir mit allen Kollegen im nächsten Heft diskutieren.

Unterschift Ihr herbert stolle
Herbert Stolle
FVZL-Bundesvorsitzender