Die Wut der Zahntechniker II

Wir bedanken uns bei allen Kollegen, die uns ihre Meinung in Form von mitunter sehr ausführlichen Leserbriefen mitgeteilt haben. Wir bitten um Verständnis für aus Platzgründen notwendige Kürzungen. Wir werden auch in Zukunft jede Meinung berücksichtigen. Dafür schon im Voraus ein herzliches Dankeschön!

Es muss doch inzwischen jedem intelligenten, mitdenkenden Kollegen klar geworden sein, dass wir Zahntechniker zuerst die Fesseln des SGB V abstreifen müssen. Erst dann werden wir wieder in der Lage sein, als Unternehmer die jeweils individuell unterschiedlichen Entscheidungen für unsere Betriebe zu treffen. Alles andere ist Sozialismus und führt uns in die kollektive Pleite.
ZTM. Thomas Eigenbrod, Bad Brückenau

Die Industrie hat sich von unserem Partner zu unserem Konkurrenten entwickelt. Der Meistertitel wird immer weiter entwertet. In den Meister- und Berufsschulen stehen die Plätze leer. Die Prüfungsanforderungen werden populistisch heruntergefahren. Wer will heute noch Zahntechniker werden? Die Innungen, die behaupten, für alles zuständig zu sein, stehen dieser Entwicklung hilf- und ratlos gegenüber.
ZTM. Dieter Lingweiler, Neuss

Was halten Sie davon, wenn sämtliche Laboratorien der Bundesrepublik Deutschland an einem Stichtag (z.B. 1. Oktober 2012) eine zerbrochene Prothese plus Rechnung an die Bundestagsabgeordneten schicken und die Frage stellen: „Es kann doch wohl nicht angehen, dass das Deutsche Zahntechnikerhandwerk in Zukunft – und zu diesen Zwangspreisen – mit solchen Reparaturen beschäftigt wird, während der hochwertige neue Zahnersatz im Ausland gefertigt wird?“
ZTM. Hans-Werner Pauli, Mühlheim

Grundsätzlich bin ich mit den Zielen des FVZL einverstanden. Es ist ohne Frage, dass Sie eine unangenehme Pionierarbeit leisten. Meine Skepsis hinsichtlich des Erfolges begründe ich damit, dass die Lobby der Zahnärzte schon dafür sorgen wird, dass es keine klare Positionierung nach Fach und Qualifikation geben wird. Wenn hierzu keine Rechtssicherheit erfolgen kann, werden wir Zahntechniker auch weiterhin nur Zuarbeiter und Knechte der Zahnärzte bleiben.
ZTM. Hans Banko, München

Spreche ich mit Zahntechnikern, äußern sie sich als Verlierer gegenüber anderen Handwerkern. Sie beklagen die schlechte und verlogene Vertretung durch den VDZI, die politischen Rahmenbedingungen und den zerstörerischen Einfluss der Krankenkassen. Ich erkenne Angst und Wut der Kollegen bis hin zu Resignation. Das wird Ihnen aber nicht helfen, solange wir nicht anfangen, uns gemeinsam zu wehren!
ZTM. Holger Paulsen, Pinneberg

Es ist faszinierend, mit welcher Verve Sie auf die Befreiung aus dem SGB V setzen und dabei Ihren Freiheitsbegriff mit dem der FDP gleichsetzen. Wir beide wissen doch aber, dass die auf dem Papier geforderte Freiheit immer in Relation zu den gesellschaftlichen Realitäten gesetzt werden muss. … Man muss die Freiheit im Hinterkopf haben, um sie im Vordergrund wirken zu lassen.
GF. Reinhard Bröker, Freising

Wozu und für wen brauchen wir noch die Innungen? Deren „Führungsriegen“ sind meistens nicht mehr praktisch tätig, sondern leben von der Bezahlung ihres Ehrenamtes. So kommt es, dass Meinungen geäußert und Dinge in Gang gesetzt werden, bei denen jeder Praktiker nur den Kopf schütteln kann.
Da bestimmen – inklusive der Politiker – Leute über unser Geschäft, denen das Ergebnis völlig egal ist, solange sie daran verdienen oder wiedergewählt werden. Das müssen wir ändern, dagegen sollen wir uns wehren.
ZTM. Karl-Heinz Wendl, Amberg

Es gab Zeiten, in denen Zahnärzte und Zahntechniker noch in einem Boot saßen. Diese Zeiten sind für die meisten unter uns vorbei. Wir sind zu Fremden geworden, die man nur noch braucht, um schnelle Aufträge zu erledigen oder um wirklich komplizierte Fälle vor Ort besprechen zu können.
ZTM. Horst Stoltenberg, Heide

Wer Bewerbern heute noch zu einer Ausbildung in der Zahntechnik rät, missbraucht das Vertrauen dieser jungen Menschen. Sie können nach ihrer 3 ½-jährigen Lehrzeit bestenfalls im Praxislabor unterkommen, in denen der Hersteller sein eigener Auftraggeber ist und dadurch Entscheidungen durchsetzen kann, die einem im Wettbewerb stehenden gewerblichen Labor nicht möglich sind.
ZTM. Lothar Struwe, Köln

Bei Ihrem Ziel „Raus aus dem SGB V“ werde ich Sie auch weiterhin unterstützen. Da ich aber ein hochpreisiges Labor führe, lege ich meine persönlichen Energien auf die Durchsetzung von rein privaten Versorgungen. Für mich ist das der einzige Weg aus der Misere, in der die gewerblichen BEL-Laboratorien stecken.
ZTM. Rainer Haase, Bonn

Aktuelles aus der Zahntechnik:
Die Löhne sind genau so hoch wie vor 35 Jahren – Lehrlinge gibt es nicht mehr, weil niemand mehr diesen Beruf ergreifen will – Zwangspreisanhebungen liegen weit unterhalb der Inflationsrate – die Preiserhöhungen unserer Lieferanten dürfen wir nicht weitergeben – Kassenprothetik zu nicht kostendeckenden Preisen nach BEL dürfen wir machen, die lukrativen Privataufträge landen in dem Praxislabor, nicht selten als „Halbfertigpräparate“ zu Dumpingpreisen im Ausland gefertigt.
Vielen Dank an die Politiker, die meinen, unsere weitere Zwangseinbindung in das SGB V hätte etwas mit Gerechtigkeit zu tun!
ZTM. XY, Hamburg

Die Zukunft des Zahntechnikerhandwerks hängt an einem seidenen Faden. Sollte sich in allernächster Zeit nichts ändern, werden viele hoffnungsvolle Betriebe in die Pleite gehen, die Mitarbeiter ihren Job verlieren, die Arbeitgeber ohne Altersversorgung sein und die Zahnärzte bzw. deren Patienten ohne ortsnahe Versorgung sein. Das kann nicht im Sinne eines Systems sein, dessen Politiker nicht müde werden, Freiheit und Eigenverantwortung des mündigen Bürgers
zu propagieren. Deshalb: Raus aus den Zwängen des SGV V!
ZTM. Alexander Busch, Ulm

Gerne veröffentlichen wir Ihren Kommentar bzw. Ihren Vorschlag zu der Zukunft des Zahntechnikerhandwerks. Ihren Namen nennen wir nur mit Ihrer ausdrücklichen Erlaubnis.

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