Der Minister und der Meister

Zu einem ersten Konsolidierungsgespräch trafen sich am 12. Mai 2010 in Berlin der Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler und der Bundesvorsitzende des „Freien Verbandes Zahntechnischer Laboratorien“, Zahntechnikermeister Herbert Stolle.
In einem kurzen Statement fasste Herbert Stolle die aus zahllosen Schriften hinlänglich bekannte Forderung des FVZL nach Freiheit, Gerechtigkeit und Eigenverantwortung für das deutsche Zahntechnikerhandwerk zusammen.

.

Wer rettet das deutsche Zahntechnikerhandwerk ?

„Es hat noch nie einen Sinn ergeben, das Zahntechnikerhandwerk in die RVO – später SGB V – einzubinden. Das hatte 1998 bereits Minister Horst Seehofer erkannt und uns erfolgreich die Freiheit zurück gegeben…, bis uns danach die rot-grüne Koalition wieder einsperrte. Spätestens jedoch nach Einführung der Festzuschüsse im Jahre 2005 ist der letzte scheinbare Grund für diese existenzvernichtende Einbindung weggefallen.
Im Vergleich zu anderen Handwerksberufen sind die uns aufgezwungenen Preise um über 40 Prozent zurückgeblieben. Die Löhne unserer Mitarbeiter haben eine Abweichung von minus 30 Prozent erfahren. Firmenpleiten, Arbeitslosigkeit und ein dramatischer Rückgang der Ausbildungsplätze sind die unmittelbaren Folgen dieser planwirtschaftlichen Ideologie.“

.

FDP-Minister für Planwirtschaft.

Minister Rösler (FDP) teilte die Auffassung des FVZL-Bundesvorsitzenden nicht. Sinngemäß erklärte er: Sie können doch nicht erwarten, dass wir Ihretwegen das SGB V neu schreiben ?
Veränderungen kann es nur innerhalb des Systems geben. Die Einbindung kann für die Zahntechniker doch nur Vorteile haben, denn wenn sie draußen wären, dürften sie die Aufträge der Zahnärzte – die weiterhin im System blieben – nicht mehr ausführen.
Ihre Forderung läuft auf Kostenerstattung hinaus. Die Freiheit, die Sie fordern, haben Sie auch jetzt schon; es steht Ihnen doch frei, einen Auftrag, dessen Preis nicht kostendeckend ist, abzulehnen.
.

Im Geiste von Ulla Schmidt.

Assistiert wurde der Minister von dem Ministerialrat Dr. Thomas Neumann, seit vielen Jahren Leiter des Referats Vertragszahnärztliche Versorgung. Er unterstrich den großen Vorteil, den die Zahntechniker durch die Einbindung hätten und stellte die Frage, was im Falle eines freien Wettbewerbs aus den Sachleistungen wie der Kieferorthopädie und der Schienentechnik werden solle. Außerdem seien im Zahntechnikerhandwerk 65.000 Zahntechniker beschäftigt, bei nur 2.500 Arbeitslosen. Er würde ein Frankfurter Dental-Labor kennen, dass aufgrund seiner hohen Qualität nur freie Preise in Anwendung bringen würde, das sich nicht um das BEL kümmern müsste und das damit hervorragend zurecht käme. Das alles sei doch der Beweis, dass es den Zahntechnikern in Deutschland gut gehen würde.
.

Weitere Gespräche notwendig.

Das Ergebnis seines „Berliner Gespräches“ fasste der FVZL-Bundesvorsitzen-de Herbert Stolle wie folgt zusammen: „Als aktives CDU-Mitglied habe ich in Niedersachsen die Karriere des FDP-Abgeordneten Rösler mit Respekt und großer Sympathie verfolgt. Ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass die Einarbeitung in ein so schwieriges Gebiet wie das deutsche Gesundheitswesen Zeit braucht und ein Bundesgesundheitsminister zunächst Wichtigeres zu tun hat, als sich um die Existenz des kleinen Zahntechnikerhandwerks zu sorgen.

Aber noch nie während meiner langjährigen Arbeit als Bundesvorsitzender habe ich in so kurzer Zeit so viel Unsinn gehört, wie in diesem „Berliner Gespräch“. Mit anderen Worten: Der Minister hatte keine Ahnung von den Problemen der deutschen Zahntechniker. Was aber noch schwerer wiegt, ist, dass ihn seine Berater, die offenbar noch aus der Ära der Ulla Schmidt stammen, so gnadenlos ins offene Messer laufen ließen.

Die FDP als Befürworter von Planwirtschaft, als Verhinderer von Eigenverantwortung und als Zerstörer mittelständischer Betriebe! Damit wäre ihr – bei welcher zukünftigen Wahl auch immer – ein Wahlergebnis unterhalb der fünf-Prozent-Grenze sicher und wir müssten uns nach einem neuen Koalitionspartner umsehen.
Aber vielleicht ist das ja das Ziel mancher Politiker ? Mein Ziel ist das jedoch nicht, und ich bin deshalb sicher, dass es noch weitere Gespräche zur Rettung des deutschen Zahntechnikerhandwerks geben muss und geben wird.“