Das Schweigen der Lämmer

Über dreißig Jahre nach der Einbindung de Zahntechnikerhandwerks in die Reichsversicherungsordnung (RVO) ist es still geworden unter jenen, die diese Einbindung zunächst bejubelt hatten. Es ist die Stille eines Friedhofes, auf dem begraben wurden die Pläne, Hoffnungen, Wünsche und Träume all jener, die dem Zahntechnikerhandwerk ein neues Gesicht geben wollten.

Mit der nachfolgenden, chronologischen Kurzfassung erinnern wir noch einmal ohne jede Schuldzuweisung an den Ablauf einer verhängnisvollen Entwicklung. Wir fordern die Kollegen und Laborinhaber, die noch nicht resigniert haben, dazu auf, Ihre Meinung zu sagen und Vorschläge zu machen für ein zukunftsfähiges deutsches Zahntechnikerhandwerk. Zuschriften an das FVZL-aktuell, Cuxhaven, die uns innerhalb einer Woche nach Erscheinen dieses Heftes erreichen, können bereits in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden. Sie sorgen dafür, dass aus dem „Schweigen der Lämmer“ ein „Brüllen der Löwen“ werden kann.

Ungefragt und unvorbereitet wurde das deutsche Zahntechnikerhandwerk von der seinerzeit regierenden rot-gelben Koalition in die Reichsversicherungsordnung (RVO) eingegliedert.
Begrüßt wurde dieses Gesetz vorrangig von den Funktionären der Innungen und ihres VDZI. Sie sahen darin einen Akt der standespolitischen Selbständigkeit, die Möglichkeit, auf gleicher Augenhöhe gegenüber den Verbänden der Zahnärzte und der Krankenkassen die Interessen der Zahntechniker zu vertreten und durchzusetzen.

Nach dem Vorbild der KZVen wollten die Innungen „Kassenzahntechnische Vereinigungen“ (KZTV) gründen, die den Zahlungsverkehr zwischen den Kassenlaboratorien und den gesetzlichen Krankenkassen regeln sollten.
Voraussetzung dafür wäre der Abschluss von Lieferberechtigungsverträgen gewesen, die jedes Kassenlabor mit den Krankenkassen abzuschließen hätte.

Im Vorfeld dieser Bemühungen verteilten die Zahntechnikerinnungen bereits Lieferberechtigungsnummern an die in die Handwerksrolle eingetragenen ge-
werblichen zahntechnischen Laboratorien.
Sie verbanden mit dieser Maßnahme die Erwartung, die zahnärztlichen Praxislabors als Konkurrenten bei der Versorgung der GKV-Patienten mit Zahnersatz auszugrenzen.

Der „Verband Deutscher Zahntechniker Innungen“ (VDZI) beantragte einen Sitz in dem gemeinsamen Bundesausschuss, welcher sich aus den Vertretern der größten Leistungserbringer zusammensetzt.

Zum Zwecke der besseren Kontrolle über das Marktgeschehen und zwecks Erschließung weiterer Einnahmequellen erhoben die Innungen Lehrlingsbetreuungsgebühren, machten die Teilnahme an einer überbetrieblichen Unterweisung zur gebührenträchtigen Pflicht und propagierten Qualitätsnormen vom TÜV bis zu eigenen Qualitätsmanagement-Modellen, die gegen Zahlung entsprechender Schulungsgebühren erworben werden konnten.

Um den negativen Auswirkungen der Einbindung in das SGB V zu begegnen, führten die Innungen und ihr VDZI immer wieder Prozesse. Zum Beispiel beklagte sich die Innung Schleswig-Holstein beim Bundesschiedsamt über zu geringe Erhöhungen der BEL-Höchstpreisliste und die Innung Berlin-Brandenburg klagte aus ähnlichen Gründen vor dem Landessozialgericht.

Dessen ungeachtet, hat sich laut einer Befragung des „Freien Verbandes Zahntechnischer Laboratorien e. V.“ keiner der zwanzig angeschriebenen Obermeister zu der Forderung des FVZL nach „Raus aus dem SGB V“ geäußert.
Stattdessen dachte der Obermeister von Rheinland-Pfalz darüber nach, die gesamte Zahntechnik zu privatisieren, während sein Kollege von der Innung Nordbayern verkündete, dass die deutschen Zahntechniker verpflichtet wären, eine zuzahlungsfreie prothetische Versorgung der Sozialhilfeempfänger zu garantieren.

Ebenfalls aus Nordbayern kommen die ersten Versuche (April 2012), eine nach dem Vorbild des BEL auch eine Höchstpreisliste für Privatleistungen mit den Privatkrankenkassen (PKV) zu vereinbaren. Unterstützt werden diese Pläne von den GKV-Kassen, die es als ihre gesetzlich auferlegte Pflicht ansehen, ihre Mitglieder vor unangemessenen und überhöhten Honoraren und Laborpreisen z.B. bei individuellen Gesundheitsleistungen (IGEL) zu schützen.

Ein besonderes Anliegen des VDZI besteht darin, seine Kompetenz bei der Ausrichtung zahntechnischer Fortbildung mit allen anderen Zahntechnikerverbänden in Europa zu teilen. Zum Wohle der Patienten soll auf diese Weise dafür gesorgt werden, dass Zahnersatz – wenn er denn schon halb so teuer wie in Deutschland angeboten wird – wenigstens die hohen Qualitätsnormen deutscher Meisterlabors erfüllt.

Gerne veröffentlichen wir Ihren Kommentar bzw. Ihren Vorschlag zu der Zukunft des Zahntechnikerhandwerks. Ihren Namen nennen wir nur mit Ihrer ausdrücklichen Erlaubnis.

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